Von der Schönheit der Wildschreiberei

Immer wieder berichten Schriftsteller, dass sie seit frühster Kindheit Geschichten erzählen. Aufsätze in der Grundschule, Gedichte in der Jugend und schließlich irgendwann der erste Roman. Mein eigener Weg war eher verworren. Alles hat mit schlecht abgezeichneten Comics in meinem Kinderzimmer begonnen. Später kamen Kurzgeschichten und Texte hinzu, die man wohl mit viel gutem Willen als Novellen einordnen könnte. Irgendwann haben Hormone, Pubertät und das Auf und Ab der Jugend die Schreiberei in schlechte Gedichte und dann in die Vergessenheit abgleiten lassen.

Während des Studiums war der Drang plötzlich wieder da. Mit meinem berühmten glücklichen Händchen geriet ich natürlich prompt an einen Verlag der noch weniger Ahnung hatte als ich selbst. Am Ende war ein komplettes Schreibjahr für die Katz’. Doch trotz dieser äußerst unangenehmen Erfahrung, wirklich losgelassen hat mich das Schreiben seitdem nicht mehr.

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Schreiben im Cafe

Die ernsthafte Arbeit als Autor und Schriftsteller, über gelegentliche Experimente hinaus, ist also noch recht neu für mich. Daher teste ich regelmäßig verschiedene Arbeitsweisen oder Schreibtechniken. Eine dieser Arbeitsweisen nenne ich, in Ermangelung eines anderen Begriffs, die Wildschreiberei. Das klingt schön verwegen, nach Abenteuer, und deutlich cooler als Schreiben in Cafes.

Worum geht es? Nicht nur als Autor, auch als Rollenspielverleger verbringe ich mehr oder weniger den ganzen Tag vor dem Laptop. In der letzten Zeit ist mir am Schreibtisch die sprichwörtliche Decke auf den Kopf gefallen. Um dem zu entkommen, habe ich mir das Netbook geschnappt und mich zuerst in ein Cafe und später mit einem Notizbuch an den Rhein gesetzt.

Ich bin natürlich nicht der erste Autor, der auf diese Idee kommt und hatte bereits desöfteren den Tipp bekommen, mal einen Tapetenwechsel zu versuchen. Die Wirkung hat mich letztendlich aber völlig überrascht. Egal ob in dem lauten Cafe oder auf der einsamen Sitzbank am Rheinufer, der Umgebungswechsel hat sich als äußerst anregend erwiesen. Wirklich ins Reine schreiben hat außerhalb meiner heimeligen vier Wände nicht funktioniert aber dafür flossen die Ideen “in freier Wildbahn” nur so aufs Papier und in die Tastatur. Obwohl durch An- und Abreise natürlich etwas Schreibzeit verloren ging, habe ich am Ende längere und bessere Rohtexte geschrieben.

Es war am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig in einem vollen Cafe das Netbook auf den Tisch zu packen. Um ehrlich zu sein, gab es auch den ein oder anderen neugierigen Blick. Aber nach ein paar Minuten konnte ich das gut ausblenden.

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Schreiben am Rhein

Wenn es wärmer wird, mache ich mich auf die Suche nach ein paar exotischeren Orten. Mir schwebt eine industrielle Kulisse wie der Landschaftspark Nord oder vielleicht mal eine Flughafen-Lounge vor. Schreiben, als Beruf oder Berufung, ist ein essentieller Bestandteil meines Lebens und ich finde die Idee, es in mehr Lebensbereiche einzubinden sehr spannend.

Eigentlich wundere ich mich, dass mir die Idee nicht schon viel früher gekommen ist. Ein kleines Netbook kann man überall mit hinnehmen und zwischendurch die Ideen fließen lassen, egal ob in der Bahn, in einem Wartezimmer oder eben im Park. Wenn man seine fixen Schreibtermine im heimischen Büro nicht ausfallen lässt, gewinnt man auf diese Weise sogar wertvolle Schreibzeit.

Falls ihr die Wildschreiberei auch einmal ausprobiert und für gut befunden oder vielleicht auch verworfen habt, würde ich mich über einen kleinen Erfahrungsbericht dazu freuen. Ich werde demnächst weitere Fotos meiner Lieblingschreiborte machen und hier vorstellen. Vielleicht inspiriert es ja den ein oder anderen von euch.

 

Bis dahin. Schreibt. Habt Spaß!

 

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