Der liebe Marcus Johanus hat mir mein erstes Blogstöckchen zugeworfen, da kann ich natürlich nur zupacken. Es geht vor allem um Rollenspiel, natürlich, und um die Vergangenheit. Naja, alt genug bin ich ja, schauen wir mal…

1. Was hältst du von OSR (Old School Roleplaying)?

Ich kann damit nicht wirklich viel anfangen. Mein Fokus lag immer auf den Welten und Charakteren lag und weniger auf den Regeln. Zudem bin ich erst recht spät, irgendwann `92, und dann auch noch mit Midgard in das Hobby eingestiegen. An D&D oder AD&D orientierte Systeme wecken bei mir also keine nostalgischen Gefühle.

2. Stört es euch, wenn euch jemand beim Spielen zusieht?

Sogar sehr. Wenn ich spiele, versuche ich mich möglichst tief in meinen Charakter und seine Umgebung zu versetzen. Was denkt und fühlt er? Was sieht und riecht er? Hat er Angst oder langweilt er sich? Eine gute Runde ist die Verlängerung eines guten Buches und ich lasse mich auch nicht gerne beim Lesen beobachten. Schlussendlich hat das aber auch viel mit Sympathie und Vertrauen zu tun hat. Anders ausgedrückt: Ich kann nicht richtig rumspinnen, wenn Unbeteiligte mich beobachten.

3. Welches Rollenspielprodukt hat dich persönlich am meisten geprägt?

Klingt als Savage-Worlds-Verleger vielleicht ein bisschen schräg aber da ich rund 16 Jahre wöchentlich Das Schwarze Auge gespielt habe, wohl die verschiedenen DSA-Editionen. Am meisten vermutlich sogar DSA4. Der crunchige, mit dem Hintergrund verwobene Ansatz, hat mir lange Zeit sehr gut gefallen und ich habe einen ganzen Ordner eigener Manöverkombinationen. Natürlich stilecht mit Hintergrund und Lehrmeister.

Der große Bruch kam dann mit Savage Worlds. Die erste Spielrunde ist mir noch recht schwer gefallen aber dann hagelte es Aha-Erlebnisse und seitdem komme ich nicht mehr davon los. Es funktioniert zuverlässig, unabhängig von der Spielwelt, hat ausreichend taktische Tiefe und erlaubt mir mich voll auf meinen Charakter und die jeweilige Spielwelt zu konzentrieren.

4. Was ist die beste Regel, die dir je in einem Rollenspielsystem untergekommen ist, welches die schlechteste?

Das ist leicht, das ist in beiden Fällen die Angeschlagen-Regel aus Savage Worlds. Manchmal liebe ich sie, manchmal hasse ich sie.

5. Warhammer Quest oder Advanced Heroquest?

Ganz klar Heroquest. Das hat in unzähligen Stunden und Dutzenden selbst geschrieben Szenarien  den Grundstein gelegt. Einfach immer noch ein fantastisches Spiel. Da schlägt dann auch die Nostalgie voll zu.

6. Wenn ihr von all euren Rollenspielen nur eine Edition behalten könntet – und zwar für alle die mit der gleichen Editionsnummer (also zum Beispiel Shadowrun 5 und D&D 5 und DSA 5, aber nicht Shadowrun 2, D&D 3 und DSA 4), welche wäre es?

Interessante Frage. Da ich allerdings nur wenige Spielreihen über mehrere Editionen hinweg sammle, stünde ich gar nicht vor dieser Wahl.

7. Glaubst du an Immersion und wenn ja, was ist für dich immersiv?

Wie oben schon angedeutet, macht Rollenspiel ohne Immersion für mich keinen Sinn. Wozu sollte ich eine Geschichte erzählen bzw. bespielen in die ich nicht komplett eintauchen kann?! Ein gutes Zeichen für Immersion ist es, wenn allen Beteiligten der Fortgang der Geschichte wichtiger ist als das Drumherum, die Regeln oder das Knabberzeug.

8. Wenn du heute nochmal eine Spielrunde starten könntest, die inhaltlich und vom Stil her genau so läuft wie deine allererste, würde das funktionieren? Warum?

Das würde es. Wir waren einfach vier sehr gute Freunde, denen der gemeinsame Spaß am Spiel und das Ausleben der Vorstellungskraft wichtiger waren als Regeln oder das eigene Ego. Wir wussten im Grunde gar nicht was uns erwartet, haben uns voller Begeisterung auf das Spiel eingelassen und es war grandios. Ein einfacher Dungeon Crawl hatte mehr Emotionen und Dramatik als wir je mit einem „Spiel“ erwartet hätten.

9. Was vermisst du heute am Rollenspiel, was vor 20 Jahren (bzw. in den ersten Jahren, als du angefangen hast) noch anders und viel besser war?

Das Angebot ist heute so unglaublich vielfältig und von einem derart hohen Niveau, dass man nur staunen kann. Egal welchen Spielstil man bevorzugt oder welche Genre einem liegen, man findet garantiert ein passendes Spiel. Darüber hinaus gibt es mittlerweile off- und online unzählige Möglichkeiten sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Mitspieler zu finden. Was sollte man da also vermissen? Wenn ich überhaupt etwas vermisse, dann mehr Zeit zum Spielen.

10. Welche Settings sind im deutschsprachigen Raum deiner Meinung nach völlig unterrepräsentiert?

Ich glaube nicht, dass irgendein veröffentlichtes Setting wirklich unterrepräsentiert ist. Für alles andere gibt es ja Regelsysteme wie Savage Worlds oder Fate, mit denen man das ändern kann.

Da mich interessiert was ein ausgesprochener OldSchooler dazu denkt, nominiere ich mal den guten Moritz mit seiner Seifenkiste.

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