Hinter den Kulissen #5: Warum manche Spiele länger brauchen…

Ausgegebenem Anlass und weil es sehr gut zur Kulissen-Reihe passt, hier nun der versprochene Artikel zu Verzögerungen im Rollenspiel. Über Anmerkungen freue ich mich natürlich.

Es ist leider Fakt, dass Rollenspiele, ebenso wie digitale Spiele, immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen haben. Manche mehr, manche weniger. Einige unserer Produkte, glücklicherweise nicht viele, weichen Jahre vom geplanten Erscheinungstermin ab. Ich möchte heute einen Blick auf die häufigsten Ursachen für solche Verzögerungen werfen. Zum einen ganz allgemein gesprochen, zum anderen aber auch anhand einiger konkreter Beispiele aus unserem Verlag.

Kreativarbeit als Nadelöhr

Die Kreativarbeit ist üblicherweise der für Fehler und Verzögerungen anfälligste Abschnitt in der Produktion und Elyrion ist das perfekte Beispiel für dieses Problemfeld. Als wir das Crowdfunding gestartet haben, sind wir fest davon ausgegangen, dass wir das Projekt schnell über die Bühne bringen können. Die existierenden Hintergrundbeschreibungen waren soweit überarbeitet, Artwork ist weitgehend vorhanden und die Regeln standen als Rohtext bereits fest. Als nach der Kampagne die Testleser – Spieler mit mehr Savage-Worlds-Erfahrung als ich sie damals hatte – das Spiel testeten, zerfetzten sie die Version förmlich. Es war nicht so, dass Regeln falsch waren (was ist das schon im Rollenspiel), sie waren nur nicht „savage“ und transportierten weder ein typisches Savage-Worlds-Gefühl, noch das Flair von Elyrion. Nach mehreren Überarbeitungsversuchen haben wir den Text dann komplett eingemottet. Je mehr ich zudem persönlich in das System einstieg und spielte, desto mehr musste ich auch erkennen, dass die Hintergrundbeschreibungen im besten Fall unpraktisch waren. Sie brachten zwar das Flair der Welt gut rüber, aber wirklich verwertbares Abenteuermaterial gaben sie nicht her. Als Savage-Worlds-Spielleiter kam mir das mehr und mehr untauglich vor und irgendwann stand ich vor der Entscheidung, ein Produkt zu veröffentlichen, hinter dem ich nicht (mehr) stehen kann und das garantiert von einigen Savages zerrissen wird, oder weitere Verzögerungen in Kauf zu nehmen. Ich könnte jetzt noch sehr viel darüber erzählen, aber ich denke, im Kontext dieses Artikels ist das generelle Problem ausreichend deutlich geworden.

Ausfall von Mitarbeitern und Dienstleistern

Meiner Erfahrung nach ist das tatsächlich der häufigste Grund für Verzögerungen und in den seltensten Fällen steckt böse Absicht dahinter. Ein sehr aktuelles Beispiel ist das Dresden-Files-Rollenspiel. 2015 haben wir die Firma Feder&Schwert (damals gehörte sie noch nicht Patric Götz) mit der Umsetzung des Projekts beauftragt. Die Aufgabenteilung war dabei recht einfach: Mit Unterstützung durch Feder&Schwert organisieren wir den Kickstarter, alles andere wird von Feder&Schwert gemacht. Übersetzung, Lektorat, Korrektorat, Satz etc. sollten also von F&S erledigt und die druckfertigen Dateien an uns geliefert werden, so dass die Bücher im Mai 2016 erscheinen können. Im Dezember 2015 mussten wir dann trotz hoher Abschlagszahlung leider feststellen, dass kaum 15 % der Texte bearbeitet waren. Wir standen damit vor der Wahl, einfach weiter abzuwarten was Feder&Schwert machen würde, und auf das Beste zu hoffen, oder eben alles selbst zu machen. Selbst machen bedeutete, dass wir ein ganz neues Team aufbauen mussten, das komplette Projekt selber planen, die Mitarbeiter koordinieren, neue Zahlungen leisten usw. Und das in einer Zeit, in der wir bereits völlig ausgelastet waren.

Dabei kann ich als Kleinverleger nicht einfach jede Position neu besetzen. Ist ein Redakteur festangestellt (oder ein Layouter etc.), bearbeitet er jedes Projekt, das ich ihm vorsetze. Freie Mitarbeiter in der Rollenspielbranche wählen ihre Projekte in der Regel allerdings nach Interesse aus und es ist nicht immer einfach, eine Stelle direkt neu zu besetzen.

Verzögerungen können aber nicht nur durch die direkt an den Büchern arbeitenden Personen, sondern auch durch die zahlreichen beteiligten Dienstleister wie Druckeinkäufer, Druckereien, Buchbinder oder Logistiker zustandekommen.

Auch hier ist die Bandbreite der Fehler scheinbar unendlich. Beim Transport beschädigte Lieferungen, fehlerhafte Drucke, nicht ausgeführte Drucke oder Lieferungen, die im Zoll oder auf dem Umschlagplatz einer Spedition festhängen. Selbst verunglückte Lkw habe ich schon mitbekommen, auch wenn wir selbst glücklicherweise nicht davon betroffen waren.

Ein weiteres Problem ist, dass man immer in der Zwickmühle steckt, die eigenen Fans möglichst gut informieren zu wollen, aber auch die Interessen der Mitarbeiter und Dienstleister schützen muss. Nicht jeder möchte öffentlich lesen, dass er schlechte Arbeit geleistet hat oder sein Privatleben vor allen ausbreiten. Bei dem Versuch hier einen Ausgleich zu finden, kommt man schnell an den Punkt, dass man besser gar nichts sagt, weil jeder andere Formulierung unangebracht oder schlicht gelogen wäre.

Angriffe von Außen

So traurig das ist, auch dies ist leider hin und wieder ein Grund für Verzögerungen. Wir alle wünschten uns, dass die Rollenspielszene eine große glückliche Familie ist und in manchen Fällen trifft das auch zu, in vielen leider nicht. Hinter den Kulissen gibt es immer wieder Kämpfe um Lizenzen, Mitarbeiter oder Vertriebswege, und die Methoden dabei sind nicht zimperlich. Wir sind in den letzten zehn Jahren zwar nie verurteilt, dafür aber mehrfach verklagt und abgemahnt worden und das teils mit hanebüchenen Begründungen. Das alles ist vor allem lästig, kostet Zeit und Energie. Jetzt kann man argumentieren, dass das zum Geschäftsleben dazugehört und wir haben das zu einem Teil auch akzeptiert. Dennoch ist es ein großer Unterschied, ob man sich als GmbH mit einem Dutzend Angestellten oder als kleiner Anderthalb-Mann-Betrieb gegen solche Angriffe zur Wehr setzen muss.

Man könnte sicherlich noch weitere Punkte aufzählen, aber am Ende sind das Details. Manche Verzögerungen entstehen durch schlechte Planung, siehe Elyrion, und manche durch Einwirkung von außen, siehe Dresden Files. Wir arbeiten stets daran, unsere Prozesse und Kontrollen zu optimieren, aber ganz werden wir Verzögerungen wohl nie ausschließen können. Das ist für niemanden ärgerlicher als für uns, denn nicht fertiggestellte Bücher können wir nicht verkaufen. Schlussendlich aber ist noch jedes Buch erschienen, egal wie widerspenstig es war.

 

This article has 8 comments

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  2. Sascha

    Ich nehme den Artikel mal zum Anlass, hier nachzuhaken, weil ich hierfür nicht dauerhaft das Deadlands-Crowdfounding kapern will. Was andererseits ja auch eine gewisse Notwehr ist, denn weder im Dresden-Files-Crowdfounding noch bei Symbaroum wird ja auf nachfragende Kommentare reagiert. Es wurde ja schon viel über die Kommunikation geschrieben und schon oft und sehr lange Besserung gelobt. Hier das wichtigste Anliegen: Welchen Komminikationsweg auch immer Ihr nehmt, haltet die Leute gerade bei Verzögerungen auf dem Laufenden. Und reagiert auf Anfragen nicht immer nur dann, wenn gerade eine Geldsammelphase läuft, um kurz darauf direkt zu verstummen. Das ist nicht mehr nur befremdlich, sondern schlicht unseriös.

    Der Artikel erklärt einiges, wird aber wenig konkret (ok, er erklärt auch, warum nicht). Aber ein paar Nachfragen will ich mal machen:

    1. Dresden Files: Welcher Zeitplan soll denn nun verfolgt werden? Die letzte Aussage war hierzu von Anfang August, als es hieß, man hoffe, dass die beiden Grundregelwerke Ende des Monats gelayoutet vorliegen. Nun ist Weihnachten, hat also nicht ganz geklappt. Wie soll es denn nun weiter gehen? 2. Symbaroum: Es war mal die Rede, dass die Dinger ganz bestimmt zur Spiel vorliegen (2016, wohlgemerkt). Dann wurde es damit nichts. Anfang/Mitte Novembar hieß es dann, die Bücher seien nun im Druck und würden im Dezember verschickt. Gestern hieß es, sie seien im Druck. Wie lange druckt denn Euer Drucker so an einem Buch? Was ist da los? Wann soll nun etwas verschickt werden, steht der Dezember noch? 3. Merchandise: Es wurde bei verschiedenen Projekten nach dem Merchandise gefragt, immer mal wieder. Antworten gibt es keine. Nichts. Warum wird da nicht mal was produziert? Wann soll das passieren? 4. Im Artikel steht, dass bislang noch jedes Buch erschienen ist. Das ist schlicht falsch. Es ist jedes erschienen, das erschienen ist. Aber es ist bei weitem nicht jedes erschienen, für das Leute bezahlt haben. Sonst würde es ja die unzufriedenen Backer nicht geben.

      1. Sascha

        Nur mal so der Vollständigkeit halber: Auf meine Fragen 1-3 wurde weder hier noch sonst wo bislang geantwortet (und wenn doch habe ich es nicht mitbekommen). Soviel zu der Erkenntnis, dass vieles besser werden müsste und der Ankündigung einer besseren Kommunikation.

          1. Sascha

            Hallo Christian, was fehlt hatte ich ja geschrieben, die Antworten auf meine Fragen 1-3, die ich oben durchnummeriert hatte. Frage 3 wurde inzwischen durch den letzten CFF beantwortet. In Frage 1 ging es um die Dresden Files, vor allem um die Frage, was der Stand bei dem GRW 2 ist und wie nun der Zeitplan aussieht. Hier war der CFF recht vage, was aber auch eine Information darstellt. Ich gehe derzeit davon aus, dass es aktuell gar keinen Zeitplan gibt, sondern einfach dran gearbeitet wird und Ihr schaut, wann Ihr soweit seid. Falls diese Annahme falsch ist, wäre ja der nächste CFF oder Newsletter eine Gelegenheit, hier mehr preis zu geben.

            Und dann ist da noch Frage 2 von oben, da geht es um Symbaroum. Hier stand ein wenig im CFF drin, aber so richtig schlauer bin ich immer noch nicht, warum nun ein Regelwerk seit 1 1/2 Monate im Druck ist und wann genau der Drucker denn nun fertig wird. Aber auch hier rechne ich nicht mehr mit einer wirklich erhellenden Antwort und warte einfach mal weiter ab.

  3. Elch

    Das mag etwas naiv sein, aber: Im Rollenspielbereich arbeitet man in der Regel mit engagierten Laien, die neben ihrem Job noch ein bisschen für ein Rollenspiel schreiben oder übersetzen. Da kann man nicht erwarten, dass so strukturiert und konstant gearbeitet wird wie bei Leuten, die texten oder übersetzen tatsächlich gelernt haben. Verzögerungen lassen sich also nicht vermeiden. Wäre da eine etwas entspanntere Produktplanung, die das einkalkuliert, nicht eine wunderbare Möglichkeit, Unmut über Verzögerungen beim Kunden zu vermeiden?

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