Von Cons und Familien…

Die Ratcon, eine der vier großen Rollenspielcons (Feencon, Nordcon, Ratcon und Dreieich), ist vorüber und Unna hat sich als Veranstaltungsort (jetzt im dritten Jahr) mehr als bewährt. Die Zahl der Parkplätze ist super, die Grünanlagen rundherum sind toll und bei heißem Wetter ein Segen, das Essen vor Ort ist lecker und günstig und das Gebäude bietet viel Platz und wohl die modernsten sanitären Anlagen der Rollenspielszene.

Als ich das erste Mal die zeitliche Nähe zur Feencon realisiert habe, dachte ich noch: Hmpf… das muss jetzt aber nicht wirklich sein, oder?! Zwei große Cons mit zwei Wochen Abstand?! Was hat die Ratte denn da geritten? Mittlerweile denke ich eher bedauernd daran, wie lange es nun dauert bis man sich wiedersieht. Irgendwo zwischen wirtschaftlicher Hektik und nerdiger Begeisterung, entfaltet sich auf Cons eine einzigartige Stimmung. Nirgendwo sonst kann man als “Macher” mit seinen Kunden so leicht und entspannt in Kontakt treten und nirgendwo sonst so einfach die Seiten wechseln und wieder zum Kunden werden. Auf Cons werden selten die großen Deals abgeschlossen, man erreicht nur eine eher kleine Anzahl an Kunden und die Umsätze sind auch zu vernachlässigen. Was also ist so toll an Cons, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich diesem logistischen Monster stellen?

In meinen Augen sind es sind die kleinen Dinge, das Menschliche und gerade das Unperfekte, was Cons so toll macht. Man tauscht Geschichten aus, pflegt alte Freundschaften und knüpft neue. Man versteht sich, weiß die Gemeinsamkeiten zu schätzen und spürt, wenn auch unbewusst, dass man durch die gemeinsame Begeisterung für das Hobby Spiel irgendwo verbunden ist. Der eine ist Anwalt, der andere Hausmann, die Dritte ist Lageristin und die Spielleiterin am Tisch ist vielleicht Abiturientin aber auf einer Con verblassen diese Unterschiede. Fremde, völlig unterschiedliche Menschen setzen sich an einen Tisch mit dem festen Vorsatz Spaß zu haben. Das ist einfach eine besondere Form von Verbundenheit.

Natürlich ist die Con-Welt nicht pefekt. Das will ich gar nicht behaupten. Streit und Dummheit gibt es überall. Aber auf einer Con zählt weniger welchen Beruf du hast, welche Kleidung du trägst oder ob deine Haare sitzen. Es ist wichtig wie du dich benimmst, ob du ein guter Mitspieler bist, ob du hilfsbereit und freundlich und bereit bist dich einzubringen. Auf einer Con zählst du als Mensch und das ist eine fantastische und prägende Erfahrung.

Ich besuche seit 2006 vier bis sechs Conventions pro Jahr. Was anfänglich eher ein berufliches Muss war, fühlt sich mittlerweile eher wie leicht verrückte Familientreffen an. Ich will nicht zu rührselig werden aber wenn ich mir meine Con-Fotos der letzten Jahre anschaue, dann kann ich nicht anders, als mich als Teil einer großen, verrückten Con-Familie zu empfinden. Man sieht sich älter und oft runder werden, erlebt, wie aus Schülern Erwachsene werden, wie Freundschaften entstehen oder zerbrechen, wie Menschen ihr privates oder berufliches Glück finden, oder eben das genaue Gegenteil. Man fiebert mit, man ärgert sich, man freut sich oder drückt die Daumen und am Ende ist man plötzlich Teil einer Gemeinschaft. Nicht mehr weil man muss, sondern weil man will. Und genau deswegen funktionieren Cons seit drei Jahrzehnten und freue ich mich so auf die nächste Con. Wir sehen uns dann ja zur Krähe. 😉

 

This article has 1 comments

  1. Hannes Glücke aka Hans im Glück

    Danke für deinen ausführlichen Bericht. Ich war auch da und mir hats alles in allem auch gefallen, so ist das nicht. Wie man sich denken kann kommt nun das ABER 🙂 Die Ratcon gehört für mich nicht mehr zu den 4 größten Cons in Deutschland. Ich weiß die Zahlen sind bei der größe immer entscheident, aber mal ehrlich, es waren laut Orga etwa 750! Meine erste Ratcon war 2001 da waren es 2500!! Eine Zahl welche Feencon und Nordcon gehalten bzw gesteigert haben von der Dreieich mal abgesehen, da diese ja regelrecht explodiert ist ^^

    Ich habe immer mehr den Eindruck, das man die Ratcon aus pflichtgefühl weiter betreibt. In 3 Jahren den Eintrittspreis um 50%, von 10 auf 15€ zu steigern und billigend in Kauf nimmt, das weniger Leute kommen, kann ich nicht verstehen. Die Kaffeeflatrate für 12€ ist hart an der Grenze, aber die Tasse dieses Mal ist ne Frechheit.

    Meiner Meinung nach wird die Veranstaltung künstlich am Leben gehalten und wenn 2020 dann nur noch 250 Leute kommen und 20€ bezahlen und die Flatrate auch 20€ kostet, dann ist sie zumindest noch rentabel.

    Nee Nee irgendwas passt da nimmer…

    Ich kann mit gutem Gewissen die Namenlosen Tage empfehlen, welche ich einfach mal als meine Hompage hinterlegt habe. 250-300 Besucher, 1€ Eintritt und Kaffeeflatrate fürn 10er inklusive wirklich cooler Tassen ist der Hammer. Für den Eintrittspreis gabs letztes Mal sogar noch ne CONTÜTE!!! Uriges Ambiente und eine Orga die sich gefühlt um jeden Gast kümmert (obwohl die nur 4 Leute oder so sind) ist für mich der 15 Jahre Erfahrung mit Cons hat ein Vorreiter!

    Liebe Ratcon Orga, bitte schneidet euch mal ne Scheibe von den Namenlosen Tagen ab, aber bitte nicht zuviel, sonst ist nix mehr da 😛

    LG
    Hannes

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